VVN-BdA
Stade
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Der Kauf wurde in aller Stille abgewickelt. Bei einer Versteigerung in Berlin erwarb die ominöse »Wilhelm-Tietjen-Stiftung« mit Sitz in London im April 2004 ein 26 000 Quadratmeter großes Gelände um ein ehemaliges Bundeswehr-Offiziersheim bei Dörverden zwischen den niedersächsischen Kleinstädten Verden/Aller und Nienburg/Weser. Eine Lokalzeitung fand heraus, wer hinter der Stiftung mit Sitz in London steckt: Jürgen Rieger, wegen Volksverhetzung verurteilter Rechtsanwalt in Hamburg und einer der wichtigsten Drahtzieher des Rechtsextremismus, u. a. als Organisator des »Rudolf-Heß-Gedenkmarsches« in Wunsiedel.
1995 kaufte Rieger einem Herrenhof im schwedischen Sveneby. Geplant war dort ein germanisches Kollektiv von 18 jungen arischen Paaren für ökologischen Landbau. Stilgerecht wurde der Acker nicht mit einem Traktor sondern mit einem gepanzerten Mannschaftswagen gepflügt. Rieger erhielt für sein Projekt Zuschüsse aus EU-Fördertöpfen. Doch das Vorhaben scheiterte, offenbar auch, weil sich nicht genügend Arier fanden, die Deutschland verlassen und sich für einige zehntausend Euro in das Kollektiv einkaufen wollten. Im November 2003 verhandelte Rieger mit den Neonazis der »Svensk Modstandsbevægelse«, der Schwedischen Widerstandsbewegung, über eine Beteiligung an dem Anwesen in Sveneby. Das rief Widerstand auf den Plan: Am 7. Dezember brannte eines der Gebäude nieder.
Aufgeschreckt durch die Entdeckung der Lokalzeitung formiert sich in der Region parteiübergreifender Widerstand. »Uns bereitet natürlich Sorgen, dass das Image Dörverdens leiden könnte«, erklärt Bürgermeister Rainer Herbst. »Die Rechtsextremen rüsten auf und nisten sich in Niedersachsen ein. Offenbar gibt es den Plan, sich gezielt in dieser Region zu verankern«, befürchtet die Landesvorsitzende der Grünen, Brigitte Pothmer. Vor allem die Jugendorganisation der NPD »Junge Nationaldemokraten« ist in der Region sehr aktiv. Mit Rückendeckung durch Rieger könnte aus Dörverden ein neues Hetendorf werden.
Als Reaktion auf Riegers Umtriebe fand am 25. September in der Stadthalle von Verden ein Konzert »Aufmucken gegen Rechts« statt, an dem etwa 500 Menschen teilnahmen. »Am 25. September soll nun in der Verdener Stadthalle die neue antifaschistische Volksfront von Verfassungsschmutz, GEW-Grufties, Antifa-Kriminellen und "Direktor" Axel Rott gefeiert werden. Motto: Aufmucken gegen Rechts. - Wir werden uns das mal anschauen!«, hatte der stellvertretende Vorsitzende der NPD Niedersachsen Adolf Dammann angekündigt. Bisher war sein Anwesen in Bargstedt Treffpunkt der Neonazis aus dem Elbe/Weser-Raum. Entgegen seiner vollmundigen Ankündigung ließ sich Dammann nicht an der Verdener Stadthalle blicken. Lediglich zwei Neonazis wurden gesichtet, von denen einer aus einem fahrenden Auto heraus einen Hammer hoch hielt, woraufhin er von der Staatsschutz-Abteilung der Polizei gestellt wurde. Auch rund um Riegers Anwesen blieb an diesem Abend alles ruhig.
Eine Sammlung von Presseveröffentlichungen zum Heisenhof findet sich
auf der Website der SPD Dörverden.
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